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Transfer-Analyse

Das Transfer-Netzwerk: Wie bestimmte Klubs immer wieder Spieler voneinander kaufen – und welche Deals 2026 diese Partnerschaften vertiefen

Wenn RB Leipzig wieder einmal einen Spieler von Red Bull Salzburg verpflichtet, sprechen die meisten Fans von einem "typischen Red Bull-Transfer". Doch was oberflächlich wie Konzernlogik aussieht, ist nur die Spitze des Eisbergs. Der moderne Fußball wird von einem komplexen Netzwerk aus Transfer-Partnerschaften durchzogen, das weit über die offensichtlichen Verbindungen hinausgeht.

Die Anatomie einer Transfer-Allianz

Eine detaillierte Analyse der vergangenen fünf Transferperioden offenbart erstaunliche Muster: Bestimmte Vereinspaare tauschen so regelmäßig Spieler aus, dass von systematischen Partnerschaften gesprochen werden kann. An der Spitze steht erwartungsgemäß die Red Bull-Achse zwischen Leipzig und Salzburg mit 23 Transfers seit 2019.

Doch auch jenseits der Konzernstrukturen haben sich stabile Handelsbeziehungen entwickelt. Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam tauschten in den vergangenen Jahren elf Spieler aus, während zwischen Chelsea und Borussia Mönchengladbach eine überraschend intensive Verbindung mit neun Transfers entstanden ist.

"Diese Netzwerke sind kein Zufall", erklärt Dr. Simon Chadwick, Professor für Sportökonomie an der Skema Business School. "Sie entstehen durch gemeinsame Philosophien, ähnliche Spielstile oder schlicht durch persönliche Beziehungen zwischen den Verantwortlichen."

Die Treiber hinter den Allianzen

Die Gründe für diese Transfer-Partnerschaften sind vielfältig und oft strategischer Natur. RB Leipzig und Red Bull Salzburg profitieren von ihrer gemeinsamen Eigentümerstruktur, die es ermöglicht, Spieler systematisch zu entwickeln und zum optimalen Zeitpunkt zu transferieren.

Anders gelagert ist die Beziehung zwischen Borussia Dortmund und englischen Topklubs. Hier fungiert der BVB als Sprungbrett für junge Talente, die später für Rekordsummen nach England wechseln. Jadon Sancho (Manchester United), Erling Haaland (Manchester City) und Jude Bellingham (Real Madrid, zuvor England-interessiert) sind prominente Beispiele dieser Strategie.

Manchester City Photo: Manchester City, via dm1igrl0afsra.cloudfront.net

"Dortmund hat sich bewusst als Entwicklungsverein positioniert", analysiert Transferexperte Fabrizio Romano. "Sie kaufen günstig ein, entwickeln die Spieler und verkaufen sie mit enormen Gewinnen weiter. Das funktioniert nur mit stabilen Abnehmerkreisen."

Bundesliga-interne Handelsrouten

Innerhalb der Bundesliga haben sich ebenfalls feste Transferachsen etabliert. Besonders auffällig ist die Verbindung zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, die trotz ihrer Rivalität regelmäßig Geschäfte miteinander machen. Robert Lewandowski, Mats Hummels (beide Richtungen) und Mario Götze sind nur die prominentesten Beispiele.

Eine Analyse zeigt: Bayern München kaufte seit 2010 insgesamt 17 Spieler direkt von Bundesliga-Konkurrenten, davon fünf von Borussia Dortmund. "Bayern hat erkannt, dass sie ihre Dominanz am effizientesten ausbauen können, indem sie die besten Spieler der Konkurrenz verpflichten", erklärt Sportökonom Professor Bernd Frick von der Universität Paderborn.

Die Rolle der Berater-Netzwerke

Hinter vielen Transfer-Allianzen stehen die gleichen Spielerberater. Mino Raiola (verstorben 2022) war ein Meister darin, seine Klienten zwischen bestimmten Vereinen zu rotieren. Sein Nachfolger-Team führt diese Praxis fort und nutzt etablierte Beziehungen zu Vereinen wie Juventus Turin, Real Madrid und Manchester United.

In Deutschland dominiert die Agentur Sports Total um Volker Struth den Markt. Struth vertritt nicht nur deutsche Nationalspieler wie Leon Goretzka und Timo Werner, sondern hat auch enge Beziehungen zu internationalen Topklubs aufgebaut. "Berater sind die unsichtbaren Architekten des Transfermarkts", erklärt eine Quelle aus der Branche, die anonym bleiben möchte.

Finanzielle Vorteile der Partnerschaften

Transfer-Allianzen bringen erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich. Vereine, die regelmäßig miteinander handeln, sparen Scouting-Kosten und können auf bewährte Bewertungsmaßstäbe zurückgreifen. Zudem entstehen oft Paketdeals oder Tauschgeschäfte, die für beide Seiten vorteilhaft sind.

Ein Beispiel ist der Deal zwischen Atletico Madrid und dem VfL Wolfsburg um Maximilian Arnold im Sommer 2025. Offiziell wechselte der deutsche Mittelfeldspieler für 35 Millionen Euro nach Madrid. Gleichzeitig lieh Atletico den jungen Spanier Pablo Barrios für zwei Jahre nach Wolfsburg aus – ein Geschäft, das beiden Vereinen hilft.

"Solche Win-Win-Situationen entstehen nur, wenn sich Vereine über Jahre hinweg Vertrauen aufgebaut haben", erklärt Wolfsburgs Geschäftsführer Marcel Schäfer.

Die dunkle Seite der Netzwerke

Doch Transfer-Netzwerke haben auch Schattenseiten. Kritiker werfen einigen Vereinen vor, den Markt zu manipulieren und kleinere Klubs systematisch zu benachteiligen. Die UEFA untersucht bereits mehrere Fälle, in denen Transfers zwischen verbundenen Vereinen zu überhöhten Preisen stattgefunden haben sollen.

Besonders im Fokus stehen dabei die Geschäfte zwischen Manchester City und anderen Klubs der City Football Group. Transfers wie der von Ferran Torres zu Barcelona für 55 Millionen Euro oder Joao Cancelos Wechsel zu Bayern München werden von Experten als überteuert eingestuft.

Neue Allianzen für 2026

Für das Jahr 2026 zeichnen sich bereits neue Transfer-Partnerschaften ab. Besonders interessant ist die entstehende Verbindung zwischen saudi-arabischen Klubs und europäischen Topvereinen. Al-Hilal und Paris Saint-Germain haben bereits mehrere gemeinsame Deals abgewickelt, während Al-Nassr enge Beziehungen zu Juventus Turin aufbaut.

"Der saudische Markt verändert die globalen Transfer-Netzwerke fundamental", prognostiziert Sportmarketing-Experte Dr. Christoph Breuer. "Europäische Vereine nutzen die Saudi Pro League als lukrativen Abnehmermarkt für alternde Stars und investieren die Erlöse in junge Talente."

Auch in der Bundesliga entstehen neue Allianzen. RB Leipzig intensiviert seine Beziehungen zu südamerikanischen Partnervereinen, während Bayer Leverkusen ein Netzwerk mit japanischen Klubs aufbaut. "Die Zukunft gehört den globalen Partnerschaften", ist sich Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes sicher.

Die Zukunft der Transfer-Netzwerke

Experten gehen davon aus, dass sich die Transfer-Netzwerke weiter professionalisieren werden. Datenanalyse und Künstliche Intelligenz ermöglichen es Vereinen, optimale Handelspartner zu identifizieren und Transferstrategien zu entwickeln.

"In zehn Jahren werden Transfers noch strategischer geplant", prophezeit Dr. Raffaele Poli vom CIES Football Observatory. "Vereine werden ihre Partner nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern systematisch aufbauen und pflegen."

Die Bundesliga-Vereine sind gut beraten, diese Entwicklung nicht zu verschlafen. Wer heute die richtigen Partnerschaften eingeht, sichert sich Wettbewerbsvorteile für die Zukunft.

Fazit: Transfer-Netzwerke sind zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor im modernen Fußball geworden – Vereine ohne strategische Partnerschaften werden es zunehmend schwerer haben, auf dem Markt zu bestehen.

Bayern Munich Photo: Bayern Munich, via images.daznservices.com

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